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  • Sabine von meinKraut

Gesammelt wird im Fingerhut

Die vitale Medizin der Bäume: die Gemmotherapie


Was versteht man unter dem Begriff Gemmotherapie?


Unter dem Begriff „Gemmotherapie“ versteht man die Knospenheilkunde. Abgeleitet wird der Begriff von dem lateinischen Wort „Gemma“ = die Knospe.


Die Gemmotherapie ist eine alte Heilmethode, bei der Heilmittel aus frischen, im Wachstum befindlichen Pflanzenteilen, wie Knospen, jungen Triebsprossen und Schösslingen sowie Wurzelspitzen verwendet werden. In diesem sogenannten Embryonalgewebe sind die Lebens- und Wachstumskräfte einer Pflanze am höchsten. Die Therapie mit diesem Pflanzengewebe soll dem Menschen helfen, indem sie die Vitalisierungs-, Selbstheilungs- und Regenerationskräfte unterstützt. Dagegen werden in der klassischen Pflanzenheilkunde nur ausgewachsene Pflanzenteile, Blüten, Früchte und Wurzeln eingesetzt. Und genau das ist der große wesentliche Unterschied zur herkömmlichen Phytotherapie.


Warum Knospen heilende Impulse geben können


Knospen enthalten nicht nur die herkömmlichen sekundären Pflanzenwirkstoffe, sondern sie bringen noch andere einzigartige Wirkstoffgruppen mit sich:


  1. ihre pflanzlichen Stammzellen, die sogenannten Phytostammzellen oder Meristime, aus denen alle weiteren Zelltypen generiert werden

  2. ihre pflanzlichen Botenstoffe, die sogenannten Phytohormone und

  3. ihre pflanzlichen Wachstumssubstanzen, die ihnen die Kraft, den natürlichen Trieb zum Wachsen gibt.


Diese 3 Komponenten gepaart mit den herkömmlichen Pflanzenwirkstoffen, trägt die Knospe alle in sich und ist vermutlich das Geheimnis des Wirkungsmechanismus der Knospenmedizin. All diese Wirkstoffe bewirken die Lebendigkeit der Knospen. So können Knospen auch unserem menschlichen Körper wieder mehr Vitalität und Kraft vermitteln.


Die Verbindung zwischen Pflanzen und Menschen ist das Geheimnis


Auf den ersten Blick unterscheiden sich Pflanzen und Menschen sehr. Bei genauerem Hinsehen erkennt man jedoch, dass die pflanzlichen und menschlichen Zellen fast die gleiche Struktur haben. Die beiden Zellen ähneln sich sehr. Sie haben einen Zellkern, in dem sich der genetische Code befindet. Die Grundbausteine der DNA sind nachweislich bei Pflanze und Mensch gleich und sie bilden den universellen Code des Lebens auf dem Planeten Erde. Auch die Funktion der DNA ist sehr ähnlich und die Zellen haben im Prinzip die gleichen Zellorgane wie die des Menschen.


D.h. wir besitzen eine ähnliche Geninformation wie Pflanzen und haben dadurch zahlreiche Schnittstellen, um Pflanzenstoffe gut aufnehmen zu können.


Tatsächlich zeigten Studien, dass die aus Knospen hergestellten Mittel auf den Zellhaushalt des Körpers wirken. Dies kann man anhand von Veränderungen des Blutbildes nachweisen. Die Essenzen regen die Bildung spezieller weißer Blutkörperchen, die sogenannten Makrophagen, an. Diese nehmen Krankheitserreger (Viren und Bakterien) auf, verdauen sie und machen sie damit unschädlich. Auf diese Weise können die Knospenmazerate den Organismus bei Regenerations- und Heilungsprozessen unterstützen.


Welche Bäume oder Sträucher werden verwendet?









Schier unendlich ist die Liste der Bäume und Sträucher, welche in der Gemmotherapie verwendet werden. Ich habe euch hier einige heimische aufgelistet, von denen die meisten euch auch bekannt sein müssten. Falls ihr selbst Knospen sammeln möchtet, gilt die Grundsatzregel:


zuerst eindeutig bestimmen und erkennen, dann erst verwenden!


Abies pectinata – die WEISSTANNE

Knospen: Knochengerüst, Frakturen, Abbauprozesse wie Osteoporose, Karies


Acer campestre – der FELDAHORN

Knospen: Arterienverkalkungen, Gallensteine, Herpes, Stoffwechselerkrankungen


Aesculus hippocastanum – die ROSSKASTANIE

Knospen: Venenprobleme, werden bei Krampfadern, Blutstau in den Beinen, Hämorrhoiden, Blutgerinnsel, Gefäßerweiterungen


Corylus avellana – die HASEL

Knospen: unterstützen die Leberaktivität, wirken gegen Lungenbeschwerden, Bronchitis, fördern die Gewebselastizität


Ribes nigrum – die SCHWARZE JOHANNISBEERE

Knospen: kortisonähnliche Wirkung, wirken gegen allergisches Asthma, Juckreiz, Arthrose, Infektionskrankheiten, entzündungshemmend bei Rheuma, Gicht, Arthrose,

Entzündungen des Atmungssystems als auch Allergien und allergische Reaktionen, tonisierend, immunstärkend, venenschützend


Rosa canina – die ROSE

Triebspitzen: allergisches Asthma, Kopfschmerzen, Entzündungen

der oberen Schleimhäute, immunstimulierend, Entzündungen der Atmungsorgane, Migräne, Gelenksentzündungen, Ekzeme


Rosa canina – die HAGEBUTTE

Knospen: chronischen HNO-Erkrankungen, Stirnkopfschmerzen, Migräne, stärkt das Immunsystem, antiviral, entzündungshemmend, bei kindlichen Wachstumsschmerzen


Rubus idaeus – die HIMBEERE

Triebspitzen: Störungen der weiblichen Sexualorgane, Menstruationsbeschwerden, PMS,

sexuelle Funktionsstörungen


Tilia tomentosa – die SILBERLINDE

Knospen: stressbedingte Herzbeschwerden, Schlaflosigkeit, Nervosität, Bluthochdruck, Beruhigung


Sanfte und nachhaltige Wirkung


Es ist für mich absolut beeindruckend, wie viele unzählige Anwendungsbeispiele es hier gibt und wie vielfältig die Einsatzgebiete der Gemmotherapie sind. Generell gilt, dass die Knospenheilkunde zu den sanften, langsam aber nachhaltig wirkenden Anwendungsmethoden in der Naturheilkunde zählt und sehr gerne auch als Krankheitsprophylaxe angewendet wird.


3 einfache Möglichkeiten wie du Knospen für dich nutzen kannst


1. Frisch genießen

Z.B. beim Spaziergang immer wieder von den Ästen naschen oder den Salat damit pimpen. Beim Kochen gilt der Grundsatz: Knospen werden wie Gewürze verwendet.


Aber VORSICHT: Weniger ist auch hier mehr.

10 Knospen pro Spaziergang reichen absolut aus. Und gutes kauen ist sehr wichtig. Du wirst überrascht sein, wie sich der Geschmack immer wieder verändert. Außerdem können durch das lange Kauen die Wirkstoffe viel besser über deine Schleimhäute gleich aufgenommen werden.


WICHTIG: Zuerst ERKENNEN – dann SAMMELN bzw. KOSTEN!


2. Trocknen

Knospen können sehr gut getrocknet werden, da sie nicht viel Wasser enthalten. Einfach auf ein Teller legen und in 1 – 2 Tagen sind diese fertig getrocknet. Danach luftdicht aufbewahren z.B. in einem kleinen Salbentiegel und immer wieder davon naschen.


3. Knospenmazerat

Mit einem Auszug aus Glycerin, Alkohol, Wasser und Knospen können die Wirkstoffe der Knospen ausgezogen und haltbar gemacht werden. Die Knospenmazerate verwendet man als Mundspray, wodurch eine geringe Dosis und eine hohe Ergiebigkeit erreicht wird. Man sprüht das Mittel direkt mit zwei bis drei Sprühstößen auf die Mundschleimhaut, erfahrungsgemäß zwei- bis dreimal täglich.


Natürlich können aber auch Tinkturen, Öle, Salben oder Oxymele mit frischen jungen Pflanzentrieben angesetzt und so ausgezogen werden.


Kräuter sammelt man im Korb, Knospen im Fingerhut


Befolge bitte immer diese Grundregel beim Sammeln, denn Knospen sind geballte Wirkstoffpakete. Sei immer achtsam und nimm nicht alles von einem Ast und sei dir vor allem bewusst, dass deine gesammelten Knospen dem Baum dann für sein Wachstum fehlen.


Einfaches Rezept für ein DIY-Knospenmazerat


Zum Einstieg empfehle ich euch ein Mazerat (Auszug) von einem Baum oder Strauch, den ihr auch zu 100 % bestimmen könnt. Ich habe mich für die Hagebutte entschieden, da jetzt auch gerade der Zeitpunkt ideal ist, die Knospen zu sammeln.

Was ihr dazu braucht:


1 Teil Knospen = 10 Knospen z.B. von der Hagebutte

3 Teile Quellwasser

3 Teile Bio-Glycerin

3 Teile Bio-Ethanol (80%)


Die Knospen mit einem Küchenmesser klein schneiden. In einen kleinen Glastiegel geben und mit Quellwasser, Glycerin und Ethanol auffüllen. Gut verschließen und ca. 3 - 4 Wochen an einem kühleren Ort stehen lassen (bitte nicht im Kühlschrank!). Jeden Tag kurz und vorsichtig schütteln. Du wirst sehen wie sich das Mazerat verfärbt und von der Farbgebung jeden Tag intensiver wird. Nach der Auszugszeit das Mazerat mit einem Kaffeefilter abseihen und in eine kleine Sprühflasche aus Braunglas füllen.


Kurmäßig als Gemmotherapeutikum einnehmen: 1 – 3 Monate, 2-3 Pumpstöße 3 x täglich direkt in den Mund sprühen, auf den Schleimhäuten verteilen, einwirken lassen und schlucken.


Die Knospen sind zur Zeit ideal zum Sammeln, da sie kurz vorm Aufblühen sind. Wer sich unsicher beim Erkennen ist, kann natürlich auch in gut sortierten Apotheken oder Reformhäusern fertige Gemmomazerate ganz einfach kaufen.


Seid achtsam und lasst euch von den geballten Powerpaketen überraschen.


Kraftvolle Grüße

Sabine von meinKraut



Wie immer gilt:

Die von mir publizierten Informationen auf dieser Seite und auf meinem Blog werden von mir sorgfältig recherchiert und soll Hilfreiches und Informatives zu den behandelten Themen „Traditionellen Europäischen Pflanzenheilkunde“ und „Phytotherapie“ bieten. Sie ersetzen aber nicht die individuelle und ärztliche Betreuung. Bei Vorerkrankungen, schnell zunehmenden Beschwerden und Komplikationen sollte der Leser in jedem Fall einen Arzt konsultieren, bevor Ratschläge von dieser Seite (weiter) umgesetzt werden. Eine Haftung des Autors für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist ausgeschlossen!

Ich weise daher darauf hin, dass ich kein Heilversprechen zur Linderung und/oder Behandlung von gesundheitlichen Problemen und Erkrankungen abgebe und auch nicht derartiges verspreche. Wer pflanzliche Anwendungsformen umsetzt, tut dies auf eigene Gefahr, wie es rechtlich so schön heißt.



Quelle und Literatur:

Spirituelle Pflanzenheilkunde, Akademie für Naturheilkunde

Gemmotherapie & Baummedizin, Gabriela Nedoma

Knospen und die lebendigen Kräfte der Bäume, Gabriela Nedoma

www.phytodoc.de/heilpflanzen/gemmotherapie-heilen-mit-knospen-und-wurzelspitzen

https://www.gemmo.de/knospen



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