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  • Sabine Metzker

Alle Wahrheiten & Geschichten über Johanniskraut

ECHTES JOHANNISKRAUT (Hypericum perforatum)


Selbst der Teufel höchstpersönlich ist machtlos gegen das Kraut ;)


Jetzt zur Sonnenwende steht nicht nur die Sonne an ihrem höchsten Punkt, auch landwirtschaftliche Kultur- und Wildpflanzen blühen und gedeihen in voller Pracht und wollen in Kürze geerntet werden. Streift man jetzt durch die Natur, sticht vor allem auf Trockengebüschsäumen und in unserer Kulturlandschaft in vielen Blühstreifen und Biodiversitätsstreiben das strahlend gelbe Johanniskraut heraus.


Johanniskraut zählt zur Familie der Johanniskrautgewächse oder Hartheugewächse (Hypericaceae). Weltweit gibt es hunderte verschiedene Hypericumarten, bei uns finden wir oft nebeneinander neun verschiedene Johanniskrautarten. Therapeutisch wird das Echte Johanniskraut eingesetzt.


Typische Erkennungsmerkmale des echten Johanniskrauts sind:

  • die wie „perforiert“ (perforatum = durchlöchert) aussehenden Laubblätter

  • zweikantige Stängel

  • Rotfärbung der Finger beim Zerreiben der Blüten



Inmitten der fünf goldgelben Blütenblätter wird der Fruchtknoten von bis zu 60 Staubblättern umrankt. Dieser Anblick hat bereits den Arzt und Kräuterheilkundigen Paracelsus dazu bewegt, das Johanniskraut mit der strahlenden und wärmenden Sonne in Verbindung zu bringen. Im Mittelalter fand man heraus, dass die Blüten und Knospen der Pflanze hilfreich sind, wenn „Schatten auf die Seele fallen“.


In der Volksmedizin gehört es zu den sogenannten Sonnenkräutern - Kräuter, die die Heilkraft der Sonne in sich tragen und rund um die Sonnenwende zu blühen beginnen. Es scheint demnach kein Zufall zu sein, dass gerade dann, wenn die Tage wieder kürzer werden, ein Kraut zu blühen beginnt, das uns Licht schenkt und uns mit Wärme und Schutz in die dunkle Hälfte des Jahres begleitet. Bis in den August haben wir Zeit das Johanniskraut zu sammeln und zu ernten.


Zur Sommersonnenwende werden auch heutzutage noch im gesamten deutschsprachigen Raum Johannifeuer entzündet. Wer darum tanzt und darüberspringt, der soll mit Gesundheit, Kraft, Liebe und Fruchtbarkeit belohnt werden. Unterstützend dafür band man sich traditionell noch Kränze aus heilbringenden Kräutern, wie Johanniskraut, Eisenkraut und Beifuß um den Kopf oder die Lenden und wagte den glücksbringenden Sprung über das Feuer. Danach übergab man den Kranz den Flammen und Schlechtes sollte sich in Gutes verwandeln. Die Asche wurde wiederum auf dem Feld verteilt, um Unheil abzuhalten und eine gute Ernte einzufahren.


Ein Kraut mit vielen Namen

Die wohl gebräuchlichste Namen für Hypericum sind Johanniskraut oder Sonnwendkraut. Diese werden abgeleitet von der Tatsache, dass die Pflanze rund um die Sonnenwende am Johannistag (24. Juni) zu blühen beginnt.

Johanniskraut ist auch als Wetterkraut bekannt, da es bei herannahenden Gewittern verräuchert wurde, um das Unheil fernzuhalten und gegen Blitzschlag zu schützen. Im Volksmund wird es auch noch Blutkraut, Hexenkraut oder Herrgottsblut genannt. Dafür verantwortlich ist ein wesentliches Erkennungsmerkmal vom echten Johanniskraut - der Hauptinhaltsstoff Hypericin – der rote Farbstoff der austritt, wenn man die Knospen zerdrückt bzw. die Blüttenblätter zwischen den Fingern zerreibt.


Die heilsamen Wirkstoffe

Hypericin wirkt nachweislich antiviral und antidepressiv und zählt zu den sekundären Pflanzenwirkstoffen. Traditionell wird Hypericum perforatum in der Naturheilkunde alspflanzliches Antidepressivum verwendet, zur Nervenberuhigung und zur Förderung der Entspannung.

Der zweite wesentliche Hauptinhaltsstoff von Johanniskraut ist Hyperforin, das in besonders hoher Konzentration in unreifen Fruchtkapseln enthalten ist. Hyperforin wirkt entzündungshemmend, schmerz- und juckreizstillend, fördert die Regeneration und wirkt sehr wundheilend.

Eine der bekanntesten Auszugsformen, um an die wertvollen Inhaltsstoffe zu gelangen, ist das Rotöl. Dabei wird Johanniskraut in Öl eingelegt (ausgezogen). Während der Extraktionszeit färbt sich das Öl durch den roten Farbstoff rot.

Rotöl ist ein natürliches zuverlässiges Mittel in der Pflanzenheilkunde zur äußerlichen Einreibung bei Muskelschmerzen, Verstauchungen, Verbrennungen, bei schlecht heilenden Wunden und Sonnenbrand.

Achtung: der rote Farbstoff kann eine gewisse Überempfindlichkeit gegen Sonnenlicht verursachen, weswegen man direkt nach der Anwendung direkte Sonneneinstrahlung auf der Haut vermeiden sollte.


Die faszinierenden Geschichten

Da Hypericum perforatum schon immer vielseitig verwendet wurde, erzählte man sich drumherum auch viele Geschichten über das heilsame Kraut mit seinem roten Pflanzensaft.

Angeblich wuchs es unter dem Kreuz Christi und es fing dessen Blutstropfen mit seinen Blättern auf.

Nach einer anderen Sage wuchs das Johanniskraut an der Stelle, wo das Blut von Johannes dem Täufer bei seiner Enthauptung auf die Erde getropft war.

Auch erzählt man sich von einem Jäger, der bei der Jagd einen Hirsch verfehlte und stattdessen eine kleine Elfe traf. Das Blut der Elfe tropfte auf eine gelbe Blume, die der Menschheit seither bei der Heilung von Wunden behilflich ist. Eine auf so fromme Weise entstandene Pflanze war natürlich dem Teufel ein Dorn im Auge. Er fiel über sie her und wollte ihre Heilkräfte zerstören. Mit einer Nadel durchstach er voller Zorn die zarten Blätter. Doch mit wenig Erfolg wie sich herausstellte.

Hält man die Blätter gegen das Licht, kann man tatsächlich die zahlreichen vom Teufel höchstpersönlich hinterlassenen Einstiche erkennen, die auch zu dem Beinamen Tüpfel-Johanniskraut führten. Eines der wichtigen Erkennungsmerkmale, ob man es mit dem echten Johanniskraut zu tun hat. Tatsächlich handelt es sich dabei um die Öldrüsen der Pflanzen, die ätherische Öle enthalten.

So bereitest du dir dein eigenes Rotöl:

  1. Geöffneten Blüten, Knospen und junge grüne Fruchtkapseln vom Johanniskraut an einem sonnigen trockenen Tag sammeln.

  2. Ein kleines, verschließbares und vor allem sauberes Schraubglas locker mit den gesammelten Pflanzenteilen befüllen.

  3. Das Glas mit einem guten Pflanzenöl (Sonnenblumen- oder Olivenöl) randvoll auffüllen, damit es zu keiner Verunreinigung kommen kann.

  4. Das Glas verschließen und an einem sonnigen aber nicht zu warmen Platz 4 - 6 Wochen stehen lassen, bis es sich rubinrot verfärbt. Täglich vorsichtig schütteln.

  5. Pflanzenteile abseihen, dunkel und kühl aufbewahren. Hält ca. ein Jahr lang.


Mal ganz ehrlich gesprochen

Joahnniskraut ist ein stark wundheilendes Kraut, mit der Kraft der Sonne im Herzen. Nicht nur die Geschichten sind faszinierend sondern auch seine wissenschaftlich bewiesene Heilwirkung.


Begib dich nach draußen und halte Ausschau nach diesem faszinierenden Kraut. Schau dir den roten Pflanzensaft an, erkenne die vom Teufel persönlich hinterlassen Tüpfelchen und halte nach der kleinen Elfe Ausschau. Ich glaube fest daran, dass sie noch herumflattert :)


Abenteuer beginnen im Kopf. Werden in der Welt lebendig und enden in Geschichten.



Sabine von meinKraut






In eigener Sache:

Die von mir publizierten Informationen werden von mir sorgfältig recherchiert und soll Hilfreiches und Informatives zu den behandelten Themen der „Traditionellen Europäischen Pflanzenheilkunde“ bieten. Sie ersetzen aber nicht die individuelle und ärztliche Betreuung. Bei Vorerkrankungen, schnell zunehmenden Beschwerden und Komplikationen sollte der Leser in jedem Fall einen Arzt konsultieren, bevor Ratschläge von diesem Artikel (weiter) umgesetzt werden. Eine Haftung des Autors für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist ausgeschlossen!

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